Cogito und der Ausschluss des Wahnsinns
Oliver Simandl
University of Vienna September 21, 2026 DOI: 10.25365/thesis.81919 (opens in new tab)
Study at a glance
AI-extracted from the abstract| Characteristics | Theoretical or philosophical paper Peer reviewed |
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| Key points | Argues that the binary opposition between reason and madness is not an essential determination of philosophical discourse but an ongoing series of power events within discourse, part of a history of logocentrism. Proposes reading Derrida's "différance" and Foucault's discourse analysis together through the difference-creating moment in thought, and offers a Latin interpretation of Descartes' First Meditation. |
Abstract
Die Arbeit entwickelt eine gründliche Untersuchung der Cogito-Debatte zwischen Michel Foucault und Jacques Derrida hinsichtlich der ersten Meditation Descartes in Meditationes de prima philosophia. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Verhältnis zwischen dem philosophischen Diskurs und einem seit je her behaupteten Außen: die Trennung der Vernunft vom Wahnsinn. Diese Trennung greift die Arbeit als das Differenz auslöschende Moment des Denkens auf. Indes muss also die binäre Entgegensetzung des Denkens zu einem Anderen problematisiert werden, den das Denken beherrscht und kontrolliert, indem es ihn als ein Objekt seiner Wissensproduktion und weiters als seinen eigenen Mangel, an dem es eine Reduktion auf sich selbst durchführt, konstituiert. Eine entscheidende Kehre in der Argumentation der Arbeit wird es sein, dass die binäre Entgegensetzung keine Wesensbestimmung des philosophischen Diskurses sei, sondern eine fortlaufende Serie an Ereignissen der Macht im Diskurs darstellt, welche ein langes Erbe im Denken des Abendlandes aufweist, das in dieser Arbeit als Geschichte des Logozentrismus verhandelt wird. Am Beispiel der Debatte zeichnen sich zwei unterschiedliche Denkansätze ab, welche den Gegensatz zwischen Vernunft und ihrem Anderen zu überwinden versuchen: Die Dekonstruktion Derridas findet die treibende Kraft der Differenz in der Schrift, im Denken selbst, auf, welche er die différance nennt, das Spiel der Signifikanten, die die Vorherrschaft eines Logozentrismus erzeugt und zugleich unterminiert. Michel Foucault greift den Logozentrismus an, indem er das Außen der Diskurse, sprich: dessen Ereignisse ans Licht zehrt, welche den Wahnsinn als das ausgeschlossene Andere der Vernunft erschaffen haben, und im Umkehrschluss die Vernunft als die überlegene Macht, als das Zentrum der Bestimmung des Wahnsinns, die das Ereignis zu verschleiern sucht. Erstmalig für eine Untersuchung der Cogito-Debatte ist eine gründliche lateinische Lektüre und Interpretation der ersten Meditation Descartes. Seit der vernichtenden Antwort Foucaults auf Derridas Dekonstruktion seines Buches Wahnsinn und Gesellschaft gelten die Dekonstruktion und die Diskursanalyse als unvereinbar. Wir haben versucht einen Austausch zu ermöglichen im Zeichen des Differenz erschaffenden Moments im Denken.