5. Von der Identität der Gegensätze
Volker Gottowik
Kultur und soziale Praxis September 10, 2026 DOI: 10.14361/9783839468326-161 (opens in new tab)
Study at a glance
AI-extracted from the abstract| Characteristics | Theoretical or philosophical paper Peer reviewed |
|---|---|
| Key points | Argues that deliberately induced bodily experiences in ritual contexts, such as meditation and asceticism, function as an instrument of knowledge and are constitutive of religious thought and action, and that the human body is a necessary condition for religious practice, drawing on Csordas's claim that the lived body is the existential ground of culture and the sacred. |
Abstract
Von der Identität der GegensätzeKörpererfahrungen im Kontext islamischer Heiligenverehrung auf Java Die religiöse Praxis geht mit der Vermittlung außergewöhnlicher Körpererfahrungen einher.Bei Buchreligionen treten diese Erfahrungen in eine aufschlussreiche Beziehung zur Botschaft der geoffenbarten Schrift; bei Religionen, die den Fokus auf die rituelle Praxis legen, sind sie Medium und Botschaft zugleich: Körperliche Erfahrungen sind hier konstitutiv für das religiöse Denken und Handeln der Gläubigen.Doch warum spielen gerade Körpererfahrungen eine so zentrale Rolle im Kontext der Religionen?Und was vermitteln sie den rituellen Akteuren?Im Hinblick auf diese Fragestellung ist zu unterscheiden zwischen Körpererfahrungen, die unfreiwillig erlitten werden (z.B.Krankheit, Hunger etc.) und ex post eine religiöse Deutung erfahren (z.B. als Prüfung oder Strafe), und Körpererfahrungen, denen sich die Gläubigen im rituellen Kontext bewusst aussetzen oder die sie willentlich herbeiführen (z.B.Meditation, Askese etc.).Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung geht es ausschließlich um die zuletzt angeführten Praktiken, bei denen der Körper als Medium der Erfahrung, d.h.im Sinne eines Erkenntnisinstruments gezielt eingesetzt wird.Doch welchen Einfluss nehmen selbstinduzierte Körpererfahrungen auf die religiösen Vorstellungen der Gläubigen?Was bedeuten oder vermitteln Körpererfahrungen wie Leid und Lust, Schmerz oder Freude den rituellen Akteuren?Gesucht wird eine Antwort auf diese Fragen, die erkennbar über das Sprichwort »Armut lehrt beten« hinausgeht.Doch warum diese Konzentration auf Körper und Körpererfahrungen bzw.Religion und Ritual?Hier wäre auf zwei Aspekte zu verweisen: Zum einen ist der menschliche Körper unabdingbare Voraussetzung (»Bedingung der Möglichkeit«) nicht nur für die soziale, sondern auch für die religiöse Praxis.Ohne Körper keine Performanz.Von daher ist vielfach von der »Unhintergehbarkeit des Körpers« die Rede -nicht nur, wenn es um Kultur und Gesellschaft geht, sondern auch, wenn Religion und Ritual in den Blick genommen werden.Oder anders formuliert: »(…) the lived body is an irreducible principle, the existential ground of culture and the sacred« (Csordas 1990: 23).