Klassische Halluzinogene in der Behandlung von Suchterkrankungen – Ein narrativer Überblick
Yann David Kippe, Christopher Poppe, Dimitris Repantis, Tomislav Majić
Suchttherapie August 1, 2026 DOI: 10.1055/a-2596-8400 (opens in new tab)
Study at a glance
AI-extracted from the abstract| Characteristics | Narrative review Qualitative Peer reviewed |
|---|---|
| Key findings | Argues that evidence for psychedelics in substance use disorders is promising but not robust: LSD shows short-term effects on alcohol abstinence and reduction without stable long-term effects; psilocybin-assisted therapy shows significant effects in some alcohol studies but none in others; DMT and 5-MeO-DMT lack controlled evidence. |
Abstract
Zusammenfassung Klassische Halluzinogene („Psychedelika“) wie Lysergsäurediethylamid (LSD), Psilocybin, N,N-Dimethyltryptamin (DMT) und 5-Methoxydimethyltryptamin (5-MeO-DMT) werden zurzeit wieder als potenzielle Behandlungsoptionen bei Substanzgebrauchsstörungen untersucht. Psychedelika entfalten ihre Wirkung über eine Aktivierung von serotonergen 5HT-2a Rezeptoren im zentralen Nervensystem, die potenziellen Wirkmechanismen in der Anwendung bei Suchterkrankungen sind jedoch nicht abschließend geklärt. Ziel dieses narrativen Überblicks ist die Darstellung der derzeitigen Evidenzlage. Für LSD beschränkt sich die Evidenz überwiegend auf randomisierte kontrollierte Studien aus den 1960er Jahren und vor allem zu Alkoholabhängigkeit. Meta-Analysen zeigen kurzfristige Effekte hinsichtlich Abstinenz und Konsumreduktion, jedoch keine stabilen Langzeiteffekte und insgesamt eine niedrige Evidenzqualität. Für Psilocybin liegen neuere, methodisch robustere Studien vor, hier ebenfalls insbesondere zu Alkoholabhängigkeit. Psilocybin-assistierte Psychotherapie zeigte in manchen Studien signifikante Effekte bei der Reduktion von Alkoholkonsum, während in anderen Studien keine Effekte gefunden wurden; insgesamt ist die Evidenzqualität als moderat einzustufen. Für DMT und 5-MeO-DMT existieren bislang vorwiegend unkontrollierte oder qualitative Studien mit begrenzter Aussagekraft. Diskutiert werden aktuelle klinische und methodische Herausforderungen wie die systematische Erfassung Psychedelika-spezifischer Nebenwirkungen, die konzeptuell schwierig umzusetzende Verblindung in Studien mit Psychedelika oder die Entwicklung standardisierter psychotherapeutischer Interventionen. Insgesamt zeigen sich Hinweise auf die Wirksamkeit und ein günstiges Sicherheitsprofil unter kontrollierten Bedingungen, jedoch ist die aktuelle Evidenzlage bisher nicht robust. Größere, methodisch hochwertige Studien sind erforderlich, um Wirksamkeit, Sicherheit und Wirkmechanismen belastbar zu klären.