Dahinter - Traumbilder und Traumtexte
Dörte Oppermann
Journal of Science Humanities and Arts - JOSHA 2015 DOI: 10.17160/josha.2.6.69 (opens in new tab)
Study at a glance
AI-extracted from the abstract| Characteristics | Theoretical or philosophical paper Peer reviewed |
|---|---|
| Duration | 43 years of dream collection (1961 onward) |
| Key points | Argues that Oppermann's dream images, developed over 43 years of recording, reveal a recurring connection to the body and its movement in space and time, and that her process of drawing and physically re-enacting dreams resembles both theatrical performance and the ancient Greek practice of dream incubation for healing. |
Abstract
DAHINTER EDELGARD SEEBAUER Traumtexte,Traumbilder,Traumsprache,Traumleben,Traumgestalt/en, Traumbewegung/en,Traumtheater... Das Leben ein Traum, der Traum ein Leben?Unwillkürlich stellt sich diese Frage beim Einlassen auf das vorliegende Buch, das in einer beeindruckenden Fülle und Vielfalt Innerseelisches Gestalt werden läßt.Ein roter Faden, der sich dabei erkennbar durchzieht, ist die Beziehung zum Körper(lichen) und seiner Bewegung in Raum und Zeit, ebenso wie im Raum-und Zeitlosen.Dynamische Elemente und Erstarrung zeigen das "Dahinter" auf.Die Nähe dieser Träume (und aller Träume) zu Theater und Film wird dabei immer wieder deutlich; das Verwandte.Schon die Antike kennt und nutzt die enge Verbindung zwischen Theater und Traum.In den Tempel-"Kranken"-Häusern des griechischen Heil-Gottes Asklepios, Sohn des Apoll und Schüler des Kentauren und "verwundeten Heilers" Chiron, in Epidaurus, Kos und Pergamon haben gleichermaßen Tanz, Maskenspiele, Drama und die "leibbezogene" Arbeit an und mit Träumen für die Heilung von Menschen größte Bedeutung gehabt.Die Intensität des Traumerlebens und der unverbrüchliche Gestaltungswille von Dörte Oppermann tragen durchaus Züge der antiken Praxis der "Traum-Inkubation" als eines Rückzugs aus der äußeren Welt in den "geheiligten" Innen-Raum des Schlaftempels, um im Traum und durch die Träume Heilung zu finden."Wir sind aus jenem Stoff, aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfaßt ein Schlaf."läßt Shakespeare seinen Prospero in "Der Sturm" sagen.DAHINTER -TRAUMBILDER UND TRAUMTEXTE der Spannung zu seinen extremsten Möglichkeiten hervorgeht, durch vollkommene Selbstenthüllung, durch Bloßlegung seines Innersten -all dies ohne die geringste Spur von Egoismus und Selbstgefälligkeit.Der Schauspieler verwirklicht sich in einer totalen Hingabe.Es handelt sich... um die Integration aller psychischen und physischen Kräfte des Schauspielers, die sich aus den tiefsten Schichten seines Seins und seiner Triebe herleiten und in einer Art "Durchleuchtung" aufscheinen."Gestatten wir uns für einen Moment, das Wort Theater durch das Wort Traum und das Wort Schauspieler durch das Wort Träumerin oder träumende Bildnerin zu ersetzen, und wir haben eine exakte Beschreibung des Vorgangs, der im vorliegenden Buch dokumentiert ist.Dass dieser Vorgang nicht leicht ist, sondern immer wieder aufs Neue den ganzen Menschen fordert, versteht sich von selbst.So auch bei Dörte Oppermann: Die Traumbilder, das Traumgeschehen, setzen sich teilweise in den Tag hinein fort, drohen das Wachleben zu dominieren, evozieren hypnagoge Bilder und Visionen.Über einen Zeitraum von 43 Jahren hat Dörte Oppermann ihre Träume gesammelt und führt dieses Vorhaben auch weiter.1961 -im Alter von 19 Jahren -hat sie die ersten erinnerten Träume aufgeschrieben; verstärkt dann ab 1970 und wieder ab 1980.Um 1990 kommt es zu einer Steigerung und Ende 1994, aufgrund einer tiefen persönlichen Krise, zu einer extrem hohen Dichte intensiver Träume, die auch körperliche Empfindungen und Symptome hervorrufen und umgekehrt.Sie muß erleben, dass die Sprache, das Schreiben, der Kraft der (inneren) Bilder nicht mehr gewachsen ist und beginnt, diesen Bildern zeichnerisch Ausdruck zu verleihen.Zuerst als eine Art Notwehr, Abwehr, daraus folgend dann als die befreiende Entdeckung, dass sich die Träume auch bildnerisch gestalten lassen.Von diesem Zeitpunkt an widmet sie ihre Arbeit ganz der Gestaltung der Traumbilder.Aus der Ganzheit, auch teils der Verworrenheit eines Traumes erscheint eine Szene besonders deutlich, komprimiert zu einem Bild, zu einer "Hauptszene", manchmal verknüpft mit einem schreckhaften Erwachen.Häufiger klingt der Traum im halbwachen Zustand so nach, dass die Träumerin Schwierigkeiten hat, in die Wach-Realität zu finden.Manchmal stehen die Traum-Bilder schon am Ende des Traumes fast fertig vor dem inneren Auge, mitunter sogar der Titel.Sie entwickelt ein bestimmtes Vorgehen, um mit dieser Traum-Wirklichkeit kreativ umgehen zu können.(Dabei treten zwei unterschiedliche Motivationen zutage: Manchmal ist die Thematik des Traumes seelisch so bedrängend, dass sie gestaltet werden muss, manchmal ist das Bildmaterial so stark, dass es auf Gestaltung drängt.)Das Gestalten ermöglicht Abstand, Distanz.Der Traum wird spontan festgehalten, "wenn die Worte nicht reichen", schon mit einer Skizze.Er wird dann übertragen in das Traumtagebuch, ebenfalls oft mit ersten Skizzen und mit Anmerkungen zum Kontext sowie Notizen über Assoziationen,Traumziel und Traumsymbole.Der weitere Gestaltungsprozess konzentriert sich auf das Finden adäquater Formen und Farben.Und hier wird es wieder "schauspielerisch": Dörte Oppermann erforscht tätig, d.h.im Tun, im körperlichbewegten Nachvollzug des Traumgeschehens Bewegung/en, Emotionen, Aktionen, Handlungen und Handlungsabläufe, Gesten und Gebärden... und bringt sie dann in eine Art Erstarrung.Es findet eine Umsetzung ins fast Plakative statt -ein surrealer Eindruck entsteht.Surrealismus sucht die eigentliche Wirklichkeit des Menschen im Unbewußten.Die Träumerin sucht und findet die eigentliche Wirklichkeit im Traum -der dem Unbewußten entspringt.Die Surrealität entspricht der Traum-Logik.